Eine Nachricht über Playmobil. Ein Gedanke über Deutschland.

Eine Nachricht über Playmobil. Ein Gedanke über Deutschland.

Kurz vor den Sommerferien lese ich Nachrichten irgendwie anders. Vielleicht liegt es daran, dass der Kalender endlich etwas Luft lässt. Vielleicht auch daran, dass man in diesen Tagen nicht sofort zur nächsten Aufgabe springt. Man bleibt einen Moment länger an einer Überschrift hängen. Bei mir war es die Meldung, dass mit Playmobil ein weiteres Stück "Made in Germany" verschwindet und ich dachte mir zuerst: Ist das wirklich so dramatisch?

Meine ehrliche Antwort lautet: Nein.

Wir müssen nicht jedes Spielzeug, jedes T-Shirt oder jede Kaffeetasse in Deutschland produzieren. Das wäre weder realistisch noch wirtschaftlich. Deutschland lebt vom Handel, von internationalen Partnerschaften und von Unternehmen, die weltweit erfolgreich sind. Eigentlich war der Fall für mich damit erledigt.

Doch wie so oft kamen die spannenden Gedanken erst später. Beim Spazierengehen. Im Auto. Oder morgens mit der ersten Tasse Kaffee. Denn die eigentliche Frage lautet gar nicht, wo produziert wird.

Sie lautet: Was passiert mit einem Land, das zwar noch Ideen entwickelt, aber immer weniger selbst produziert?

Ich glaube nämlich, dass Innovation nicht am Schreibtisch entsteht. Sie entsteht dort, wo Konstrukteure mit den Menschen aus der Fertigung sprechen. Wo Prototypen gebaut werden. Wo etwas nicht funktioniert. Wo man flucht, lacht, verbessert und am Abend ein kleines Stück schlauer nach Hause geht.

Ideen brauchen Köpfe. Aber sie brauchen auch Hände. Innovation riecht manchmal nach Öl, sie macht Lärm und manchmal bekommt sie schmutzige Hände.

Genau das war jahrzehntelang unsere Stärke. Deutschland hat nicht nur Ideen entwickelt. Deutschland hat Ideen gebaut. Aus Skizzen wurden Maschinen. Aus Erfindungen Weltmarktführer. Aus Familienbetrieben Marken, denen Menschen auf der ganzen Welt vertrauen. "Made in Germany" war deshalb nie nur ein Herkunftssiegel. Es war ein Versprechen. Ein Versprechen, dass jemand Verantwortung für das übernimmt, was er baut.

Ich wünsche mir kein Deutschland, das alles selbst produziert, aber ich wünsche mir ein Deutschland, das das Produzieren nie verlernt, denn wenn Entwicklung und Fertigung dauerhaft getrennte Welten werden, verlieren wir mehr als Arbeitsplätze, wir verlieren Erfahrung und wir verlieren Geschwindigkeit.

Und irgendwann verlieren wir vielleicht auch die Fähigkeit, aus einer guten Idee überhaupt noch ein großartiges Produkt zu machen. Die Meldung über PLAYMOBIL war gar keine Nachricht über Spielzeug, sie ist eine Erinnerung daran, warum unser Land einmal so stark geworden ist.

Die Sommerferien haben in vielen Bundesländern bereits begonnen. Der August ist für die meisten die Zeit des Durchatmens. Zeit für Familie. Zeit zum Abschalten. Zeit für lange Abende, gute Gespräche und Gedanken, für die im Alltag oft keine Zeit bleibt.

Ich wünsche dir genau solche Momente. Zwischen einem Grillabend, einer Bergtour oder einem Cappuccino entsteht genau die Idee, die im Herbst den Unterschied macht.

Und genau darüber sollten wir nach dem Sommer wieder sprechen: Wie bleibt Deutschland ein Land der Ideen - und der Macher? Denn am Ende entscheidet sich die Zukunft unseres Standorts nicht in Sonntagsreden, sondern dort, wo gute Ideen zu guten Produkten werden.

Diese und viele weitere Fragen diskutieren wir auf der digiWiesn - unter anderem am 23. September gemeinsam mit Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger. Ich freue mich auf den Austausch. Vielleicht sehen wir uns dort.

Bis dahin wünsche ich, in Namen des gesamten Vorstand, dir einen wunderbaren Sommer. Viele Begegnungen, die guttun. Einen Kopf voller neuer Gedanken. Und die Gelassenheit, die schönen Seiten des Lebens zu genießen, wenn nach den Ferien beginnt wieder die Zeit des Anpackens.

Dein Werner