Ein Excel-Sheet hat uns noch nie nach vorne gebracht. Spinner schon.
Seit Tesla den neuen Roadster mit Raketendüsen gezeigt hat, lese ich wieder:
„Wo bleibt da die Wirtschaftlichkeit?“ „Komplett sinnlos.“ „Das wird doch nie was.“
Ich sehe das Auto mit seinen Raketendüsen und muss lachen. Wie irre ist das denn bitte? Ich will wissen, wie sie das gemacht haben. Ich will mir vorstellen, was daraus noch werden könnte.
Das ist mein Fliewatüüt-Moment. Dieses Staunen, das man als Kind hatte, wenn einer etwas erfindet, das es eigentlich gar nicht geben dürfte. Und plötzlich denkt man: Vielleicht geht’s ja doch.
Natürlich ist der Roadster noch kein fertiges Versprechen. Tesla nennt 2028 als Produktionsstart; nach den vielen Verschiebungen darf man skeptisch sein. Eine spektakuläre Vorführung ist noch kein Auto, das morgen vor der Haustür steht.
Aber ich muss mich doch nicht dafür entschuldigen, dass mich die Idee begeistert.
Begeisterung muss sich doch nicht erst rechtfertigen, bevor sie da sein darf.
Und hier wird die Geschichte für uns persönlich: PAL-V ist Mitglied bei uns im German Mittelstand. Das Unternehmen entwickelt mit dem Liberty ein Fahrzeug, das auf der Straße fährt und sich für den Flug in einen Gyrocopter verwandeln soll. Zum Start braucht es eine Landebahn; es ist kein Auto, das aus dem Stau senkrecht abhebt.
PAL-V hat wichtige Schritte erreicht: Die Straßenzulassung besteht seit 2020. 2026 kamen die Anerkennung als Automobilhersteller und eine europäische Produktionsgenehmigung für Luftfahrtprodukte hinzu. Die Typzulassung des Liberty als Fluggerät steht noch aus; PAL-V nennt 2028 als Ziel für erste Auslieferungen.
Genau das fasziniert mich: Eine große Idee und der lange, gründliche Weg, sie Wirklichkeit werden zu lassen.
Die Brüder Wright schafften 1903 einen Flug von zwölf Sekunden und rund 36 Metern. Bertha Benz fuhr 1888 mit ihren beiden Söhnen im Motorwagen von Mannheim nach Pforzheim. Die erste Fernfahrt der Automobilgeschichte. Aus einem Gedanken wurde Schritt für Schritt eine neue Möglichkeit.
Das heißt nicht, jede verrückte Idee wird ein Erfolg. Und es heißt schon gar nicht, dass wir auf Zahlen, Tests oder Zulassungen verzichten können. Es heißt: Erst darf uns eine Idee begeistern. Dann prüfen wir, was aus ihr werden kann.
Ich jedenfalls möchte mir den Fliewatüüt-Moment bewahren: kurz staunen, groß denken und dann mit beiden Beinen auf dem Boden daran arbeiten, dass etwas daraus wird.
Ein Excel-Sheet hat uns noch nie nach vorne gebracht. Spinner schon.
Also: Rechnen wir. Prüfen wir. Fragen wir kritisch nach. Aber bitte nehmen wir uns vorher noch den Moment zum Staunen.
Denn wenn wir uns für jede große Idee erst entschuldigen müssen, bevor wir sie ausprobieren dürfen, wer soll dann noch groß denken?
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