Vatertag. Ohne Bollerwagen.

Vatertag. Ohne Bollerwagen.

Mein Ältester sitzt gerade in einer Kanzlei in Singapur und verhandelt Verträge, bei denen ich vermutlich schon an der dritten Paragraphennummer scheitern würde. Der Jüngere läuft durch die Flure der LMU und arbeitet an einem Weg, der irgendwann vermutlich ähnlich groß wird.

Und ich sitze hier und denke mir manchmal ganz leise: Verdammt… wann ist das eigentlich passiert?

Früher hältst du die Hand beim Überqueren der Straße. Irgendwann erklärst du, wie man ein Fahrrad repariert, warum man Menschen anständig behandelt und dass ein Handschlag mehr wert sein kann als zehn große Worte.

Und irgendwann sitzen sie plötzlich in der Welt draußen. Eigenständig. Klar. Mit diesem ruhigen Selbstbewusstsein, das man sich als Vater immer gewünscht hat, ohne genau sagen zu können, wie man es eigentlich weitergegeben hat.

Vatertag hat für mich deshalb schon lange nichts mehr mit Bollerwagen zu tun. Nicht weil ich etwas gegen ein gutes Bier hätte. Um Gottes Willen. Sondern weil sich der Blick verändert.

Man misst Erfolg irgendwann nicht mehr daran, wie laut man selbst geworden ist. Sondern daran, ob die Menschen, die man liebt, ihren Weg finden, ohne sich dabei selbst zu verlieren.

Und das, was mich dabei am meisten freut?

Dass wir drei trotz allem immer noch ein Team sind. Die T-Boys.

Einer zwischen internationalen Verträgen in Singapur. Einer zwischen Hörsaal, Zukunft und wahrscheinlich viel zu wenig Schlaf in München. Und ich irgendwo dazwischen, zwischen Weißwurst-Kongress, Bühne, Netzwerk und der ewigen Suche nach guten Gesprächen.

Aber das Band ist da.

Und das ist die eigentliche Währung im Leben: Menschen zu haben, die man jederzeit anrufen kann, weil man über Jahre etwas aufgebaut hat, das trägt.

Das habe ich meinen Jungs nie gepredigt. Ich habe einfach versucht, es vorzuleben. Manchmal mit Erfolg. Manchmal mit Bauchlandung. Aber offenbar oft genug richtig.

Und dafür bin ich heute einfach dankbar.

Euer Werner